Schweizer schrammen knapp an historischem Sieg vorbei

Herren-Weltmeisterschaften 2008, Halbfinals 

13. December 2008, 18:11  / Simon Betschmann

Das Schweizer Nationalteam hat an der WM in Tschechien die Sensation nur ganz knapp verpasst. Nach der 2:3-Niederlage nach Verlängerung gegen Schweden spielen die Schweizer am Sonntag um Rang 3 gegen Gastgeber Tschechien, das im zweiten Halbfinal Finnland mit 2:4 Toren unterlag. Das Spiel um Bronze findet am Sonntag um 13.10 Uhr, der Final Schweden - Finnland um 16.10 Uhr statt.

Aus der Traum vom Finale: Ein enttäuschter Roger Tönz nach dem entscheidenden 2:3-Gegentreffer der Schweden in der 64. Minute.
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Aus der Traum vom Finale: Ein enttäuschter Roger Tönz nach dem entscheidenden 2:3-Gegentreffer der Schweden in der 64. Minute.

© Fabian Trees

Es war ein Ende in dieser Partie, das die Schweizer nicht verdient hatten. Ein Schuss des schwedischen Verteidigers Henrik Quist von der Mittellinie aus vor das Schweizer Tor löste in der 64. Minute eine unglückliche Kettenreaktion aus. Der Schweizer Simon Bichsel und der schwedische Torschütze Karl-Johan Nilsson kamen praktisch gleichzeitig an Ball, so dass dieser unglücklich abgelenkt wurde und den Weg ins Tor von Roger Tönz fand.

Schlecht belohnt

Die Schweizer wurden damit in der Prager O2-Arena für eine ausgezeichnete Leistung nicht belohnt. Sie müssen auch nach dem 42. Duell gegen Schweden auf den ersten Sieg warten und verpassten den zweiten Finaleinzug nach 1998. Dass sie die Schweden zum zweiten Mal nach 2006 (4:4 in der Vorrunde) an den Rand der ersten WM-Niederlage brachten und ihnen zum zweiten Mal innerhalb von sechs Wochen ein Remis abtrotzten, konnte die Schweizer verständlicherweise nicht trösten.

Am Ende war eben doch kein Durchkommen gegen diese Schweden.... (im Bild rechts Markus Gerber).
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Am Ende war eben doch kein Durchkommen gegen diese Schweden.... (im Bild rechts Markus Gerber).

© Fabian Trees

Die Schweizer zeigten die mit Abstand beste Leistung an diesem Turnier. Trotzdem gingen am Schluss die "unbezwingbaren" Schweden auch in ihrem 40. WM-Spiel nicht als Verlierer vom Feld. "Ich bin extrem zufrieden, was das Team geleistet hat", so Trainer Peter Düggeli. "Wir haben uns an diesem Turnier von Spiel zu Spiel gesteigert und uns heute von unserer besten Seite gezeigt."

Die Schweden zementierten ihre Favoritenrolle gleich von Beginn weg. Nach nur vier (!) Sekunden traf Niklas Jihde die Latte. Der Ball prallte noch drei weitere Mal vom Gehäuse von Roger Tönz ab. Auch wenn er in diesen Szenen einiges Glück in Anspruch nehmen musste, zeigte der Malanser eine ausgezeichnete Leistung. Nicht zuletzt dank ihm gelang den Schweizern diese Parforce-Leistung. "Es ist extrem bitter, so auszuscheiden", sagte der Goalie, der erst zum zweiten Mal an dieser WM Philipp Gerber vorgezogen wurde. "Wir waren so nah dran und haben sensationell gespielt heute. Jeder hat für den anderen gekämpft. Heute wäre die Chance da gewesen, sie endlich einmal zu packen", so der sichtlich niedergeschlagene Tönz.

Nach einem nervösen Beginn gingen die Schweizer in der 6. Minute entgegen dem Spielverlauf durch Patrick Mendelin in Führung. Das Team von Peter Düggeli überzeugte defensiv und hinderte die Schweden am kontrollierten Aufbau ihres Spiels. Trotzdem ging der Favorit im zweiten Drittel standesgemäss 2:1 in Führung. Im Gegensatz zum Gruppenspiel gegen Finnland traten die Schweizer auch offensiv in Erscheinung. Bei einer angezeigten Strafe gegen Jihde erzielte schliesslich Verteidiger Markus Gerber kurz vor der zweiten Pause den Ausgleich.

Statt im Final um Gold zu kämpfen, treffen die Schweizer im Spiel um Bronze wie 2002 und 2006 auf Tschechien. Der Gastgeber verlor den zweiten Halbfinal gegen Finnland 2:4. "Wir versuchen, die schlechten Emotionen von heute in der Halle zu lassen", so der Schweizer Cheftrainer Peter Düggeli unmittelbar nach der verlorenen Partie. "Und ich verspreche, dass wir gegen die Tschechen gleich heiss sein werden wie heute."

Tschechien will Revanche für 2006 nehmen

Der tschechische Assistenztrainer David Zlatnik bezeichnete die Schweizer Leistung gegen Schweden als "grossartig" und sieht sein Team im Bronze-Spiel trotzdem leicht im Vorteil: "Wir haben die etwas längere Erholungszeit. Und ich denke, dass die Schweiz mit dem Herz noch im Spiel gegen Schweden sein wird. Wir wollen uns zudem für die entgangene Medaille vor zwei Jahren revanchieren." 2006 in Stocholm siegten die Schweizer in der Globen-Arena 9:4.

Mikko Kohonen wird zu seinem Treffer zum 2:0 beglückwünscht.
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Mikko Kohonen wird zu seinem Treffer zum 2:0 beglückwünscht.

© Fabian Trees

Finnland: Solide Defensive

Im zweiten Halbfinal schossen die Finnen im entscheidenden Momenten die Tore. Kurz nachdem die Tschechen jeweils herankamen, reagierten die Skandinavier gleich mit einem Treffer: So fiel das 3:1 für die Finnen nur vier Minuten nach dem 1:2-Anschlusstreffer der Tschechen, und nach dem 2:3 durch Ostransky markierte Järvi nur 72 Sekunden später das 4:2.

"Es war nicht einfach", erklärte der Finne Vesa Punkari, der vergangenen Frühling mit Wiler-Ersigen noch Schweizer Meister geworden war, nach dem Match. "Wir haben nicht super gespielt, doch entscheidend war sicher einmal mehr unsere stabile Defensive. Am Sonntag müssen wir uns sicher noch steigern, wenn wir hier erstmals den WM-Pokal holen wollen."

Wird Finnland nach 4 Mal Silber und 2 Mal Bronze nun erstmals die Nummer 1?
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Wird Finnland nach 4 Mal Silber und 2 Mal Bronze nun erstmals die Nummer 1?

© Fabian Trees

Über 10 000 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten den Match und sorgten in diesem hochmodernen Stadion für eine stimmunsvolle Kulisse.

Sandro Mühlebach (Sportinformation, si) und Edith Bussard, Kommunikation swiss unihockey
©  swiss unihockey

 


7. Unihockey-WM Herren, Halbfinals
Schweden – Schweiz  3:2 n.V.  (0:1, 2:1, 0:0, 1:0)

O2-Arena, Prag
Schiedsrichter: Alakare/Vikki (Fi).
Zuschauer: 7652

Tore: 6. Mendelin (Markus Gerber) 0:1. 27. Emanuelsson (Svensson) 1:1. 38. Svensson (Calebsson/Ausschluss Bill) 2:1. 40. (39:34) Markus Gerber (Antener/Strafe angezeigt) 2:2. 64. (63:18) Nilsson (Quist) 3:2.

Strafen: xxx

Schweden: Sjögren; Kranberg, Qvist; Samuelsson, Fischerström; Eskelinen, Wallgren; Nilsson, Djurling, Jihde; Svensson, Emanuelsson, Calebsson; gillek, Johansson, Helgesson; Hagberg, Andersson, Boden.

Schweiz: Tönz; Bill, Dysli; Markus Gerber, Bichsel; Kamaj, Flury; Christoph Hofbauer, Matthias Hofbauer, Zimmermann; Zürcher, Roger Gerber, Mendelin; Cadisch, Stucki, Antener; Brunner.

Bemerkungen: Schweiz ohne Philipp Gerber (Ersatztorhüter), Wanner und Jungo (beide nicht eingesetzt). Lattenschüsse Jihde (0:04) und Eskelinen (49.). Pfostenschüsse Svensson (36.) und Eskelinen (48.).


7. Unihockey-WM Herren, Halbfinals
Finnland – Tschechien  4:2  (1:0, 2:1, 1:1)

O2-Arena, Prag
Schiedsrichter: Andersson/Fahlander (Swe).
Zuschauer: 10 348

Tore: 20. (19:15) Manner (Kukkola) 1:0. 25. Mikko Kohonen (Tittu) 2:0. 34. Zalesny (Sikora) 2:1. 38. Manner (Järvi) 3:1. 52. Ostransky (Zalesny) 3:2. 53. Järvi (Forsten) 4:2.

Strafen: 1-mal 2 MInuten gegen Finnland, 2mal 2 MInuten gegen Tschechien.

Bemerkungen:


Mehrwert

 

Bildergallerie

Schweden - Schweiz

Fotos: Fabian Trees

 

WM-Splitter

Rolltreppen: Wer als Zuschauer die hochmoderne, multifunktionelle O2-Arena in Prag betritt, kommt erst mal aus dem Staunen nicht heraus: Man fühlt sich mehr an einen Shoppingcenter als an eine Sportarena erinnert. Das Gebäude verfügt über 5 Stockwerke, die nicht nur mit Treppen oder Aufzügen, sondern auch mit Rolltreppen (!) verbunden sind. Sponsorenstände haben neben den vielen Verpflegungsständen locker Platz - ein Sponsor präsentiert beispielsweise einen Schätzwettbewerb - mit einem mit Unihockeybällen gefüllten Auto. Und: Die Plätze im 5. Stock gleich unter dem Dach sind definitiv nichts für solche mit Schwindelanfällen...

Imposante Arena - mit einer Höhe vom Spielfeld zur Decke von schätzungsweise über 20 Metern.
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Imposante Arena - mit einer Höhe vom Spielfeld zur Decke von schätzungsweise über 20 Metern.

© Fabian Trees

"Schweizer" Weltmeister: Egal wer am Sonntag den Final dieser 7. Herren-WM gewinnt, Weltmeister wird man in der Schweiz am kommenden Wochenende in der Swiss Mobiliar League auf alle Fälle bewundern dürfen: Holt sich Schweden zum 7. Mal in Folge den Pokal, jubelt etwa der aktuelle Topskorer der Liga, Daniel Calebsson (Floorball Köniz) oder Mattias Wallgren (Wiler-Ersigen). Holt Finnland erstmals WM-Gold, dann feiern Lassi Vänttinen (Wiler-Ersigen) und Sako Lehti (Tigers Langnau). Köniz (mit Calebsson) reist am kommenden Samstag zu Waldkirch-St. Gallen, Langnau (mit Saku Lehti) zu Rychenberg Winterthur. Wiler-Ersigen (mit Wallgren und Vänttinen) empfängt am Sonntag die Zürcher Grasshoppers.

Deutschland direkt qualifiziert: Deutschland hat sich nach einem 11:7-Erfolg im Final über Polen die B-Division gewonnen und sich als "Aufsteiger" die direkte Qualifiaktion für die WM im Dezember 2010 in Finnland gesichert. An den nächsten Titelkämpfen werden nicht mehr wie heute 20, sondern nur noch 16 Teams in der Endrunde stehen. Die besten 7 Mannschaften der jetzigen A-Division sowie der Aufsteiger aus der B-Division sind gesetzt, die restlichen Teams müssen in die Qualifikation. An der Bande der Deutschen stand an dieser WM ein Schweizer: Renato Wyss. Im Team figurierten mit den Gebrüdern Dominic und Manuel Mucha (Rychenberg Winterthur), Andreas Gahlert (GC), Joel Gysin (Wiler-Ersigen) und Janek Kohler (Langenthal-Aarwangen) auch fünf schweizerisch-deutsche Doppelbürger.

Der Trainer der Deutschen, Renato Wyss, strahlt mit der Goldmedaille eum den Hals
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Der Trainer der Deutschen, Renato Wyss, strahlt mit der Goldmedaille eum den Hals

© Stefanie Dabrowski