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Mit starker Moral zu WM-Bronze
Herren-Weltmeisterschaften 2008, Bronzespiel
14. December 2008, 17:30Die Schweiz kehrt mit der Bronzemedaille von der WM in Tschechien zurück. Das Team von Peter Düggeli gewann das hart umkämpfte Spiel um Rang 3 gegen den Gastgeber mit 5:4 nach Verlängerung. Es ist dies für die Schweiz die 5. WM-Medaille (Silber 1998 sowie jeweils Bronze 2000, 2002 und 2006).
Simon Stucki erzielte 58 Sekunden vor Ablauf der zehnminütigen Verlängerung den Siegtreffer für die Schweizer, die damit zum vierten Mal nach 2000, 2002 uns 2006 die bronzene Auszeichnung gewannen.
Stucki (Tigers Langnau) hatte in der 49. Minute mit dem 3:1 bereits die vermeintliche Entscheidung erzielt. Doch die Tschechen kehrten mit über 13 000 Fans im Rücken noch einmal zurück. Die drei in der Schweiz spielenden Ales Zalesny (Langnau), Radek Sikora (Grünenmatt) und Vojtech Skalik (Rychenberg) schossen den Gastgeber innerhalb von sechs Minuten 4:3 in Führung.
Der Schweizer Captain Matthias Hofbauer rettete sein Team nur 22 Sekunden nach dem tschechischen Führungstor in die Verlängerung. Im Gegensatz zum Halbfinal, den die Schweizer am Vortag gegen Schweden in der Overtime verloren hatten, und dem Bronze-Spiel 2004 an der Heim-WM in Kloten gegen Finnland war das Glück den Schweizern hold.
Bereits bei den letzten beiden Medaillen-Gewinnen waren die Tschechen der Schweizer Gegener im Bronze-Spiel. Vor vier Jahren in Kloten hatten die Osteuropäer den Halbfinal gegen die Schweiz 5:3 gewonnen und dafür gesorgt, dass das Heimteam mit Platz 4 Vorlieb nehmen musste.
Der Auftritt gegen Tschechien war nach der bitteren Niederlage und dem emotionalen Tiefpunkt am Samstag löblich. Die Schweizer verstanden es sich wieder aufzurichten und den Fokus auf den Gewinn der Medaille zu richten. "Die Spieler haben schlecht geschlafen. Die Niederlage zu verdauen, was härter als gedacht", so Peter Düggeli. "Auch am Morgen waren noch letzte Zweifel da, die dann aber im Verlauf der Partie endgültig verschwanden."
Die Erleichterung im Schweizer Lager war trotzdem gross. "Wir haben viel Professionalität bewiesen, ich habe aber schon lange nicht mehr so gejubelt", erzählte Christoph Hofbauer. Und Peter Düggeli ergänzte: "Die Enttäuschung wäre schon riesig gewesen, wenn wir ohne Medaille geblieben wären. Gegen die Tschechen zeigten wir vielleicht nicht unser bestes Unihockey, aber gegen Schweden war es ein Hammer-Match." Düggeli zog ein positives Fazit über das Turnier: "Wir konnten uns im Verlauf des Turniers immer steigern und boten im Halbfinal die beste Leistung."
7. Unihockey-WM Herren, Bronzefinal
Schweiz – Tschechien
5:4 n.V.
(1:0, 0:1, 3:3, 1:0)
O2-Arena
Schiedsrichter: Polverari/Bengtsson (SWE)
Zuschauer: 13 211
Tore: 5. Christoph Hofbauer 1:0. 40. (39:01) Sikora (Fridrich) 1:1. 41. (40:46) Christoph Hofbauer (Antener/Ausschluss Sikora) 2:1. 49. Stucki (Antener) 3:1. 52. Zalesny (Ausschluss Stucki) 3:2. 57. (56:50) Sikora (Zalesny) 3:3. 58. (57:27) Skalik (Ostransky) 3:4. 58. (57:49) Matthias Hofbauer (Christoph Hofbauer) 4:4. 70. (69:01) Stucki (Cadisch) 5:4.
Strafen: 3 mal 2 plus 10 Minuten (Sikora) gegen Tschechien, 2 mal 2 Minuten gegen Schweiz
Schweiz: Tönz; Markus Gerber, Bichsel; Bill, Dysli; Kamaj, Flury; Christoph Hofbauer, Roger Gerber, Matthias Hofbauer; Cadisch, Stucki, Antener; Zimmermann, Brunner, Mendelin; Wanner
Tschechien: Kafka; Chrapek, Nesmerak; Garcar, Jakubek; Folta, Slany; Sikora, Fridrich, Zalesny; Ostransky, Cepek, Kozusnik; Novotny, Fojta, Richter; Skalik
Bemerkungen: Schweiz ohne Philipp Gerber (Ersatztorhüter), Zürcher und Jungo (beide nicht eingesetzt). Pfostenschüsse Fojta (12.) und Christoph Hofbauer (32.)
Bildergallerie
Tschechien - Schweiz
Fotos: Fabian Trees
Mehrwert
Stimmen
Simon Stucki: Es ist ein sehr schönes Gefühl, diese WM mit einer Medaille abgeschlossen zu haben. Ich hab mit meinem Siegestreffer die Leute sicher geschockt hier, weshalb sie vor Enttäuschung aufgeschrien haben. Die Medaille entschädigt für die knappe Niederlage im Halbfinal gegen Schweden. Es war schwer diese Niederlage zu verdauen, doch wir haben eine super Leistung gezeigt.
Matthias Hofbauer: Wir wussten, dass wir in der Verlängerung die Bälle unbedingt vors Tor bringen müssen, dann fällt ein Schuss auch einmal ins gegnerische Gehäuse rein. Wir haben eine tolle Moral gezeigt. Die letzten zweieinhalb Jahre haben wir hart zusammengearbeitet, wir wollten uns diese Medaille nicht nehmen lassen. Nach der Halbfinalniederlage motivierten wir uns gegenseitig und sagten uns, jetzt stehen wir wieder auf und geben alles. Für die Tschechen ist es sicher hart, vor Heimpublikum keine Medaille zu gewinnen. Ich weiss wie sich das anfühlt, wir haben dies ja an der WM 2004 auch erlebt. Wir wussten also heute, dass wir mit einem Treffer die Stimmung in der O2-Arena töten können.
Christoph Hofbauer: Mir fiel die Medaille wenige Sekunden nach der Übergabe vom Bändel, ich hab sie deshalb in der Garderobe mal abgelegt. Ja, dieser 3. Platz tut extrem gut. Die Halbfinalniederlage gegen Schweden war ein Schock nach dieser hervorragenden Leistung. Umso schöner war es nun, dass wir nach der Niederlage im Halbfinal in der Verlängerung nun im Spiel um Bronze in der Verlängerung das Siegestor erzielten. Wir zeigten eine stabile Leistung heute, vor allem in der Defensive.
Emanuel Antener: Der mentale Faktor war heute entscheidend. Wir waren im Kopf frei.
Peter Düggeli: Ich bin stolz auf diese Team. Sie hat eine ausgezeichnete Moral gezeigt nach der Halbfinalniederlage. Sie ist auch nach dem 3:4 rasch zurückgekommen, innert 22 Sekunden gelang der Ausgleich, das war genial.
Zdenek Skruzny (Headcoach Tschechien): Ich habe der Mannschaft nach diesem letzten Spiel in der Garderobe gesagt, dass sie stolz sein kann. Die letzten 10 Tage waren für uns hier in Tschechien beste Werbung für den Unihockeysport. Ich bin überzeugt davon, dass die Zuschauer nun zu den tschechischen Meisterschaftsspielen strömen werden.
