Schweizer wenden gegen Norwegen das Blatt

Weltmeisterschaften Herren, 2. Spieltag 

07. December 2008, 19:33  / Markus Jauss

Das Schweizer Unihockey-Nationalteam befindet sich an der WM in Tschechien auf Kurs Richtung Halbfinals. Das Team von Trainer Peter Düggeli gewann auch seine zweite Partie. Norwegen wurde nach einem 3:5-Rückstand zur Spielhälfte mit 9:6 Toren besiegt. Nahe an einer Überraschung an diesem 2. Spieltag war Tschechien, das dem sechsfachen Weltmeister Schweden beinahe die erste Niederlage an einer WM beigefügt hätte. Am Ende unterlag der Gastgeber mit 4:5 Toren.

Er leitete die Wende ein: Dreifachtorschütze Christoph Hofbauer
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Er leitete die Wende ein: Dreifachtorschütze Christoph Hofbauer

© Fabian Trees

Wie bereits am Vortag gegen Aufsteiger Estland (7:6), als sie nur mit Glück um einen Punktverlust herum kamen, bekundeten die Schweizer Mühe. Sie gerieten 3:5 in Rückstand, bevor sie aufdrehten und die Partie bis zur 43. Minute mit vier Toren innerhalb von gut 10 Minuten drehten. Matthias Hofbauer und Markus Gerber stellten in der 48. Minute mit zwei weiteren Treffern innerhalb von 15 Sekunden den Sieg endgültig sicher. Als erfolgreichster Punktesammler taten sich Christoph Hofbauer (3 Tore/1 Assist) sowie Emanuel Antener und Roger Gerber (je 1/2) hervor.

Erneut erwies sich das starke Powerplay als einer der Schlüsselfaktoren im Schweizer Spiel. Von den ersten drei Strafen gegen Norwegen nutzten sie die erste (zum 1:1) und dritte (7:5) aus. Bei der zweiten war zudem der norwegische Spieler gerade erst von der Strafbank zurückgekehrt, als Christoph Hofbauer den Anschlusstreffer zum 4:5 (33.) erzielte.

Kurz vor diesem Treffer hatte Peter Düggeli auf zwei Linien umgestellt, was sich im Nachhinein als wichtiger Entscheid herausstellte. "Wir konnten dadurch den Rhythmus erhöhen und erzielten danach endlich die Tore, die wir gegen Estland und in der ersten Hälfte gegen Norwegen nicht gemacht haben", so der Trainer.

"Das Gefühl beim Stand von 3:5 war nicht so gut. Mit der Umstellung auf zwei Linien merkten wir, dass etwas geschehen muss", sagte Christoph Hofbauer. "Nach dem 5:5-Ausgleich realisierten wir dann, dass 'unsere Zeit' in diesem Spiel gekommen ist."

Antener führt WM-Skorerliste an

Nach zwei Spielen führt Emanuel Antener, der seinen ersten Titelkampf bestreitet, mit einem Treffer und sechs Assists die WM-Skorerliste an. Auch der Stürmer von Floorball Köniz war sich der Wichtigkeit der beiden Treffer zum 5:5 bewusst: "Die schnellen Tore auch im letzt Abschnitt kamen uns entgegen. Wir wussten, dass wir besser sind, wenn wir unser Spiel aufziehen können. Ich würde nicht sagen, dass wir nicht ins Spiel gefunden haben. Es waren kleine Dinge, die zu Beginn nicht gepasst hatten."

Die Norweger suchten den Grund für die Niederlage vor allem in der Müdigkeit. Sie hatten am Vortag das Abendspiel (gegen Dänemark) bestritten und dadurch rund neun Stunden weniger Erholungszeit erhalten als die Schweiz. "Die Müdigkeit führte dazu, dass wir viele Strafen kassierten", so Assistenztrainer Erik Haeren. "Deshalb setzte sich die Schweiz, die den höheren Rhythmus durchziehen konnte, letztlich durch."

Aus den verbleibenden zwei Vorrundenspielen reicht den Schweizern ein Sieg zum Weiterkommen. Am Montag sind die Schweizer spielfrei, bevor sie am Dienstag auf Gruppenfavorit Finnland treffen. Die Finnen gewannen ihre erste Partie gegen Estland problemlos mit 7:0. Zum Abschluss der Vorrunde am Mittwoch wartet Aussenseiter Dänemark auf die Schweiz.

Rekordkulisse

In der Gruppe A hätte Tschechien an diesem 2. WM-Spieltag beinahe für eine Überraschung gesorgt. Vor einer ausverkauften Kulisse (über 8900 Zuschauerinnen und Zuschauer!) führten die Einheimischen mit 2:0 und später 3:2 und machten dem WM-Favoriten das Leben schwer. Die Schweden bekundeten gegen die aufsässigen, antritts- und konterstarken Tschechen mehr Mühe als ihnen lieb war. Erst im Schlussabschnitt vermochten die Skandinavier das Blatt doch noch zu ihren Gunsten zu wenden und gewannen mit 5:4 Toren. Das Schussverhältnis in dieser Partie (Total 21:38/nach Drittel 7:16/9:16/5:6) zeigt, wieviel Anlauf die Skandinavier benötigten. So bleibt das 4:4 gegen die Schweiz im WM-Vorrundenspiel 2006 in Malmö der bislang einzige Punktverlust der Schweden in einem Gruppenmatch.

Beinahe gestrauchelt: Am Ende bezwangen die Schweden (David Gillek, Mitte) die Tschechen doch noch knapp mit 5:4 Toren.
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Beinahe gestrauchelt: Am Ende bezwangen die Schweden (David Gillek, Mitte) die Tschechen doch noch knapp mit 5:4 Toren.

© Fabian Trees

"Das ist das beste tschechische Team, gegen das ich jemals gespielt habe", erklärte der schwedische Routinier Niklas Jihde nach der Schlusssirene. "Wir wurden beim Stand von 2:3 gegen uns doch etwas nervös. Dank unserer Erfahrung vermochten wir doch noch zu gewinnen." Dieser Match habe klar aufgezeigt, dass Schweden nicht mehr der Dominator der internationalen Unihockeyszene sei. "Es dürfte am Wochenende in Prag zur spannendesten Endphase in der Geschichte einer Unihockey-WM kommen. Jeder Halbfinalist hat das Potenzial Weltmeister zu werden."

Edith Bussard
Kommunikation swiss unihockey
©  swiss unihockey

7. Unihockey-WM Herren, Vorrunde
Schweiz – Norwegen  9:6  (2:2, 3:3, 4:1)

Ostrava, CZ Arena A
Schiedsrichter: Cerny/Janousek (Tsch).
Zuschauer: 563

Tore: 6. Midtsveen (Sträte) 0:1. 13. Antener (Roger Gerber/Ausschluss Kronberg) 1:1. 16. Zimmermann 2:1. 20. (19:36) Kronberg (Sträte) 2:2. 21. (20:36) Kronberg (Näsholm) 2:3. 27. (26:11) Fauskanger (Sletten) 2:4. 28. (27:34) Christoph Hofbauer (Bill) 3:4. 30. Raymond Evensen (Fauskanger/Ausschluss Markus Gerber) 3:5. 33. Christoph Hofbauer (Antener/Ausschluss Olsen) 4:5. 40. (39:13) Christoph Hofbauer (Bill) 5:5. 42. (41:17) Roger Gerber (Zürcher) 6:5. 43. (42:45) Bill (Roger Gerber/Ausschluss Sletten) 7:5. 48. (47:01) Matthias Hofbauer (Christoph Hofbauer) 8:5. 48. (47:16) Markus Gerber (Antener) 9:5. 55. Sträte (Midtsveen) 9:6.

Strafen: Strafen: 1mal 2 Minuten gegen Schweiz, 5mal 2 Minuten gegen Norwegen.

Schweiz: Philipp Gerber; Bill, Dysli; Jungo, Bichsel; Markus Gerber, Flury; Christoph Hofbauer, Matthias Hofbauer, Zimmermann; Zürcher, Roger Gerber, Mendelin; Cadisch, Stucki, Antener; Brunner.

Norwegen: Näsholm; Olsen, Espen Evensen; Minh, Erik Viggo Nielsen; Eide, Isnes; Kronberg, Sträte, Midtsveen; Raymond Evensen, Sletten, Fauskanger; Olesen, Aas, Skaug; Skau, Snellingen, Torp.

Bemerkungen: Schweiz ohne Tönz (Ersatztorhüter), Wanner und Kamaj (alle nicht eingesetzt). Timeout Norwegen (47:16).


Gruppe B

Spiele vom Sonntag, 7. Dezember 2008

Table

SP S U N +/- P

Gruppe A

Spiele vom Sonntag, 7. Dezember

Table

SP S U N +/- P

Bildgallerien

Impressionen von Schweiz - Norwegen

Fotos: Fabian Trees

Impressionen von Tschechien - Schweden

Fotos: Fabian Trees

WM-Splitter

Der falsche Glückspilz: Täglich bringen die WM-Organisatoren ein News-Bulletin heraus. Als Glückspilz des WM-Auftakttages wird dabei in einer Rubrik der Schweizer Goalie Roger Tönz erwähnt, da der Schuss des Esten Kristian Talme 4 Sekunden vor Schluss beim Stand von 7:6 für die Schweiz „nur“ an die Latte knallte. Nur schade, dass die Organisatoren nicht realisiert haben, dass Philipp Gerber und nicht Roger Tönz den ganzen Match über zwischen den Pfosten stand.

 

Aus der 1. Reihe: Das Autounternehmen Skoda tritt an den Weltmeisterschaften als Sponsor auf – unter anderem gut sichtbar durch zwei Wagen, die jeweils auf einem Podest nahe der Spielfeldecken stehen. Wer vor der WM Glück in einem Wettbewerb hatte, darf die Spiele jetzt direkt aus dem Wagen verfolgen, näher geht nicht…

 

Thomas Erhard
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Thomas Erhard

© Fabian Trees
Philippe Renz
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Philippe Renz

© Fabian Trees

Mittendrin statt nur dabei: Bei 5620 Personen lag der bisherige Zuschauerrekord eines WM-Gruppenspiels - aus dem Jahr 2002 anlässlich der Weltmeisterschaften in Helsinki. Am 2. Spieltag der 7. Herren-WM in Tschechien ist er gebrochen worden: Die CEZ-Arena in Ostrava war während des Spiels Tschechien – Schweden mit 8914 Zuschauenden ausverkauft. Mittendrin und nicht nur dabei unter anderem das Schweizer Schiedsrichterduo Thomas Erhard/Philippe Renz. Bereits beim Spiel vor dem Match der Gastgeber (Finnland – Estland) sahen 5108 Interessierte zu – kein Wunder an einem nebligen, regnerischen Sonntag, an dem ansonsten so vieles in der drittgrössten tschechischen Stadt geschlossen ist.

Ausverkaufte CEZ-Arena - mit 8914 Zuschauern.
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Ausverkaufte CEZ-Arena - mit 8914 Zuschauern.

© Fabian Trees

 

„Sonderzüglein Schweiz“: Nach Abschluss der Vorrunde erfolgt am Donnerstag für sämtliche Delegationen der Transfer von Ostrava nach Prag. Die Teams nehmen dabei den Schnellzug – bis auf die Schweiz. swiss unihockey buchte früh und wählte deshalb die schnellere (und aufgrund der grossen Menge an Material praktischere) Flugvariante. Funktionäre aus dem Ausland sprechen dabei jeweils mit einem Augenzwinkern vom „Sonderzüglein Schweiz“.