Rychenberg Winterthur entthront Dietlikon

Swiss Mobiliar Cupfinal 2010 Damen 

Die Red Ants Rychenberg Winterthur bezwingen in einem turbulenten Cupfinal Titelverteidiger Dietlikon mit 5:4 nach Verlängerung. Nach einem 1:4 Rückstand erzwangen die Winterthurerinnen dank heroischem Kampf mit zwei Treffern innert 10 Sekunden noch die Verlängerung. In dieser lag das Momentum definitiv bei den Red Ants. Ein Schuss von Kathriner wurde nach 62:06 unglücklich durch eine Dietlikerin ins eigene Tor abgefälscht.

Nach einigen Anfangsschwierigkeiten (der Anpfiff erfolgte aufgrund der Wettersituation mit entsprechenden Verkehrsverhältnissen mit einer halben Stunde Verspätung und in den ersten Spielminuten gab es noch kleine Probleme mit der Beleuchtung) fanden beide Teams relativ schnell ins Spiel. Die erwartet defensive Taktik blieb beidseitig aus und es entwickelte sich so ein offensiv ausgerichtetes Spiel. Dennoch dauerte es bis zur 12. Spielminute, ehe Sandra Dierksen mit einem schönen Hocheckschuss das Skore eröffnen konnte. Die Reaktion des Titelverteidigers Dietlikon blieb vorerst trotz zwei Überzahlsituationen aus. Es benötigte schon einen Energieanfall von Captain Berner für eine wirklich zwingende Situation. Nach einem Sololauf übers ganze Feld resultierte aber eine Minute vor der ersten Drittelpause nur ein (abgelenkter) Pfostenschuss.

Magerkost in den ersten 40 Minuten

Eine kurz vor der ersten Pause ausgesprochene Strafe, bereits die dritte gegen die Red Ants im ersten Drittel, brachte nur 33 Sekunden nach Wiederanpfiff des Mitteldrittels den Ausgleichstreffer für Dietlikon. Alanko brauchte im Slot stehend einen Abpraller nur noch einzuschieben. Rychenberg reagierte zwar vehement auf den Ausgleich, viele Aktionen waren aber etwas gar überhastet. Das Spielgeschehen flachte im Mitteldrittel zusehends ab und war durch viel Kampf und Krampf geprägt. Die vielversprechende Affiche vermochte in dieser Phase den Erwartungen der nur 858 Zuschauer nicht gerecht zu werden. Zu viele Aktionen blieben aufgrund von Ungenauigkeiten in der gegnerischen Abwehr hängen oder die Schüsse verfehlten ihr Ziel klar. Beidseitig wurden ungewohnt viele Fehlpässe produziert.

Turbulentes drittels Drittel

Die Teams schienen erst in der zweiten Drittelspause ihren Tritt gefunden zu haben. Eines vorneweg: Das Schlussdrittel entschädigte für die bis anhin eher magere Darbietung der beiden Teams. Bereits nach wenigen Sekunden traf Stettler die Latte, wenige Minuten später wurde Stadelmann im Slot völlig freistehend von Alanko angespielt und hatte keine Mühe, zum 2:1 einzuschieben (44.). Dieser Treffer und die insgesamt vierte Strafe gegen die Red Ants brachten die vermeintliche Vorentscheidung zugunsten des Titelverteidigers. In Überzahl verwertete Vögeli eine schnelle Ballstafette von Berner über Schäfer zur erstmaligen Zweitoreführung. Die Red Ants mussten in diesem Drittel weiterhin unten durch. Während sie durch Dierksen den zweiten Schuss an die Torumrandung beklagten (51.), düpierte Bürgi wenig später mit einem unglücklich abgelenkten Weitschuss von der Mittellinie Hüterin Tschümperlin im Winterthurer Tor. Nicht viele haben wohl zu diesem Zeitpunkt noch an einen Sieg der Red Ants geglaubt. Die Ameisen steckten aber erfreulicherweise nicht auf und kamen dank einem herrlichen Treffer von Suter zum schnellen Anschlusstreffer. Nun war endlich die ersehnte Finalstimmung in der Halle. Strittige Entscheidungen und ein von Nötzli verschossener Penalty läuteten die turbulenten Schlussminuten ein. Trainer Kern setzte schon früh alles auf eine Karte und nahm seine Torhüterin zu Gunsten einer sechsten Feldspielerin aus dem Spiel. Mit Erfolg! Stettler und Suter trafen innert 10 (!) Sekunden zum verdienten Ausgleich.

Was sich zweit das drittet sich

Das Momentum war vollends zu Gunsten der Red Ants gekippt. Das vorher vermisste Wettkampfglück hat innert wenigen Minuten die Seiten gewechselt: In der dritten Minute der Verlängerung lenkte eine Dietlikoner Verteidigerin einen Schuss von Kathriner ab. Der Ball hüpfte in Zeitlupentempo über das Bein von Tomatis und kullerte über die Torlinie. Dietlikon verlor das Spiel gegen ein nie aufgebendes Rychenberg Winterthur, das sich dank einer enormen Willensleistung den Cupsieg redlich verdient hat. Nach 2000 und 2004 entschieden die Winterthurerinnen damit zum dritten Mal den Cupfinal gegen Dietlikon mit einem „golden goal“ in der Verlängerung zu ihren Gunsten und sicherten sich im sechsten Cupfinal den sechsten Sieg. Eindrücklich!

Sandro Gerber
©  swiss unihockey


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Stimmen zum Spiel

 

Eliisa Alanko (Dietlikon) Die Finnin in Diensten von Dietlikon meinte nach der unnötigen Niederlage: „Ich weiss nicht, warum wir den möglichen Sieg so leichtfertig verspielt haben. Wir haben nach dem klaren 4:1-Vorsprung nicht mehr nach vorne gespielt und so unseren Gegnerinnen ermöglicht, wieder ins Spiel zurück zu kommen.“ Daniela Stettler (Red Ants) „Wir kamen mit einer Verspätung nach Bern und ich wusste, dass der Final heute unser Spiel werden könnte. Auch nach dem klaren Rückstand haben wir immer an uns geglaubt. Dabei erarbeiteten wir uns zahlreiche gute Möglichkeiten. Mit der Winnermentalität haben wir wieder ins Spiel zurück finden können.“ Die Winterthurerin, welche den 3:4-Anschlusstreffer schoss, sagte weiter: „Endlich haben wir die Früchte der 1 1/2jährigen Tätigkeit unter Trainer Rolf Kern einfahren dürfen.“ Marco Moser (Dietlikon) Realistisch meinte Meistertrainer Marco Moser nach der Niederlage: „Wir haben den 3-Torevorsprung auf unerklärliche Art und Weise preisgegeben. Zudem haben wir den Red Ants 2 Tore geschenkt. Meine Spielerinnen haben in den entscheidenden Momenten zu viele Fehler gemacht. Trotz meines Time-Outs ist es mir nicht gelungen, die nötige Ruhe ins Team zu bringen und den Rhythmus der Red Ants zu brechen.“ Rolf Kern (Red Ants) Uns ist es gelungen, in der entscheidenden Spielphase das Momentum auf unsere Seite zu zwingen, d.h. wir konnten den bereits verloren geglaubten Match mit den beiden wichtigen Treffern ausgleichen und letztlich in der Over-Time den nicht unverdienten Sieg bewerkstelligen. Ich weiss, dass in meinem Team eine Riesenqualität vorhanden ist. Deshalb muss ich meinen Spielerinnen ein grosses Kompliment aussprechen.“ Sagte Siegertrainer Rolf Kern im Interview nach dem Final.


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