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René Berliat - Cheftrainer Floorball Köniz, Assistenztrainer Nationalmannschaft Herren
Ausbildung
26. June 2008, 09:47 / Mark Wolf
Aktueller Verein: Floorball Köniz / Assistenztrainer Nationalmannschaft Stundenaufwand/Woche: zwischen 10 und 25 je nach Situation und Saisonzeitpunkt Bisherige Trainerstationen: 1988 bis 1990 Junioren B, 1991 U21, 1993 bis 1995 Junioren Inter B, 1995 bis 2002 1. Mannschaft (4 Saisons NLB, 3 Saisons NLA), 2002 bis 2004 1. Mannschaft IBK Alba (1. Division Schweden) 2006 bis 2008 3 Saisons NLA, 2007/08 Assistent U18 Inter, seit Sept. 2007 Assistenztrainer Nationalmannschaft Erfolge als Trainer: Diverse Finalrundenteilnahmen mit Juniorenteams, Aufstieg in die NLA und Cupsieg 98/99, erstmalige Play-Off Teilnahme von Köniz in zweiter NLA Saison 00/01, das schwedische Team IBK Alba zwei Jahre in der 1. Division gehalten (4. und 5. Platz) obschon von vielen als sicherer Absteiger getippt, Swiss Mobiliar Cupsieg und erstmalige Finalteilnahme mit Köniz 07/08 - plus unzählige schöne Erlebnisse, die nicht in Titel/Resultaten zu messen sind wie zum Beispiel die Begleitung verschiedenster Spieler auf dem Weg zum Nationalspieler Trainerausbildung: J+S Leiter III, Diplomtrainerlehrgang Swiss Olympic Erfahrungen als Spieler: Fussball von 8 17 Jahren zumeist in Inter und Talentstufen, ab 87 94 NLB und 94/95 NLA Unihockey Spieler bei UHC TLS Köniz
Was für ein Trainertyp bist du?
Ich liebe das Spiel und die Technik, so war ich schon als Spieler. Ebenfalls liebe ich strategisches Denken, das Spiel mit Kopf. Dementsprechend versuche ich soviel wie nur irgendwie möglich spielerisch oder mit Ball zu trainieren. Haben die Leute Spass, geht vieles von alleine. Als Mensch bin ich sehr direkt in der Kommunikation, aber versuche das so oft wie möglich auf positive Art rüberzubringen. Ich hab da in Schweden viel gelernt. Ich lasse bewusst Nähe zu den Spielern zu, das ist mir sehr wichtig, aber es gibt auch eine klare Grenze. Ein reiner Kumpeltrainer, der mit den Spielern jede Woche auch noch privat weggeht, will ich nicht sein. Ich denke, dass ich auch ein Trainer bin, der immer das Ganze im Blickwinkel hat, also zum Beispiel die Entwicklung des Vereins, ich spüre da eine grosse Verantwortung. Ich möchte die Spieler auch dahin bringen, dass sie fähig sind so viele Entscheide wie möglich ohne meine Hilfe im Bereich Unihockey zu fällen und dabei richtig zu entscheiden.
Bitte beschreibe kurz deine Trainerphilosophie.
Spielmässig, ohne Ball: Versuchen den Gegner in vorbestimmte Zonen zu lenken, dort Druck aufzusetzen und wenn möglich zu doppeln. Diese Lenkung im Raum kann je nach Gegner, Spielstand unterschiedlich hoch und intensiv angesetzt werden. Spielmässig, mit Ball: Bei Balleroberung Spiel möglichst schnell wenden und danach richtige Entscheidung fällen (Angreifen oder beruhigen). Weiter will ich, dass einfach und schnell gespielt wird und die Spieler entsprechend ihren Stärken klar zugeteilte Rollen wahrnehmen.
Was sind deine Stärken als Trainer?
Ich bin echt, authentisch, wo Berliat draufsteht ist Berliat drin. Ich will fair sein und möchte menschliche Qualitäten und Werte rüberbringen. Ich kann konsequent sein und habe klare Werte und disziplinarische Vorstellungen ohne den gesunden Menschenverstand auszuschalten. Ich sehe das Spiel gut, kann es gut lesen. Ich bin sehr ehrgeizig und kann für etwas kämpfen. Wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe gebe ich nicht so schnell auf. Ich kann gut ausbilden und erkenne glaub ich recht gut Potentiale in Spielern und kann diese dann entsprechend fördern. Ich wage Klartext zu reden wenn es sein muss und kann auch unangenehm sein wenn es die Situation erfordert. Ich wage auch in sonstigen Bereichen (z.B. Taktik) neue Sachen, wenn ich davon überzeugt bin.
Hast du ein Vorbild?
Nein, ich versuche überall was aufzuschnappen und in meine Arbeit zu integrieren. Das brauchen nicht nur Trainer zu sein, auch sonstige Biographien finde ich sehr interessant.
Von welchen Erfahrungen kannst du als Trainer am meisten profitieren?
Ehrliches Feedback von Spielern und Trainerkollegen. Sodann wenn man mal bei anderen Trainern (oder gar Sportarten) mal reinschauen darf oder zusammenarbeiten kann. Dann auch Feedback von Leuten, die mich und die Umstände gut kennen, etwas von der Sache verstehen. Oftmals hab ich am meisten in extrem schwierigen Situationen gelernt. Da wird man automatisch dazu gezwungen sich weiterzuentwickeln.
Was erwartest du von deinen Spielern?
Ich erwarte, dass sie echt sind in dem was sie tun und wie sie sind. Das heisst für mich, dass sie sich mit ihrer Aufgabe, der Mannschaft, dem Verein und den gesteckten Zielen identifizieren und bereit sind diese zu leben, ihre Stärken dafür einbringen. Wenn sie zu etwas ja sagen, sollen sich auch alles dafür tun das durchzuziehen. Einsatz- und Einstellungsmässig darf man sich nie Vorwürfe machen müssen, das sind Basics.
Wie bereitest du dich auf ein Spiel vor? Hast du Rituale?
Am Tag vorher oder am Spieltag selber gehe ich für mich ca. eine Stunde spazieren, mit meinem I-Pod. Dabei stelle ich mir Situationen im Spiel vor und wie ich darauf reagiere. Am Spielort selber gehe ich dann mit dem Assistenten nach dem Schirimeeting ca. 20 Minuten spazieren und dabei sprechen wir nochmal gewisse Sachen durch, aber diskutieren oft auch einfach über Gott und die Welt. Danach gehe ich noch schnell den Beginn Einschiessen schauen und zieh mich dann in die Garderobe zurück, wo ich nochmal ca. 5 Minuten mentale Vorbereitung mache sowie die Ruhe vor dem Spiel suche.
Wieviele Personen (und wer) arbeiten im Trainerteam/Staff mit? Wie sind die Aufgaben/Verantwortungen innerhalb des Staffs aufgeteilt?
Alles Unihockeytechnische sowie die Hallentrainings führe ich mit meinem Assistenten Luan Misini durch, wir legen viele Sachen auch gemeinsam fest, er übernimmt dort auch viele Bereiche selber und vertritt mich in Abwesenheit. Punkto Athletik/Kraft kann Marianne Schneider (ehemalige Leichtathletin) in Zusammenarbeit mit Matthias Stettler (beide arbeiten im Physiotherapie- und Kraftzentrum KIBO). Beide sind auch gleich für die physiotherapeutische Betreuung zuständig, da sie selber auch Physiotherapeuten sind. Im Bereich Psychologie arbeite ich mit Sportpsychologe Christian Müri zusammen, gewisse Sachen macht er direkt mit dem Team und manchmal interessiert mich einfach nur seine Sicht der Dinge. Weiter hilft mir Felice Gallo punkto Material und ist oft im Training auch Schiedsrichter. Organisatorisch sowie bei Spielbeobachtung hilft mir Sportchef Patrick Vifian. Die Gesamtverantwortung trage ich, und die meisten planerischen und strategischen Bereiche arbeite auch ich aus.
Welche Aufgaben als Trainer erledigst du am liebsten? Welches sind die unangenehmsten?
Am liebsten alles, was mit dem Spielerischen zu tun hat, egal ob Training oder halt dann Match. Sodann werte ich Spiele gerne aus. Auch Trainings bereite ich gerne vor. Mühsam ist eintöniger Schreib- und Bürokram wie Ausfüllen von Antidopingformularen oder J+S-Listen.
Wie stellst du dein Team auf den nächsten Gegner ein?
Ich versuche vor allem dahingehend zu wirken, dass wir die Sachen in unserem Spiel, die uns wichtig sind, konsequent durchzusetzen. Weiter werde ich sicher ein paar Eigenheiten des Gegners vorstellen, ist aber meist sehr wenig. Ich versuche auch mit den Spielern ein wenig über den Groove der bevorstehenden Partien, auch gefühlsmässige Sachen, zu sprechen und uns darauf vorzubereiten.
Stell dir vor, du hast das letzte Spiel 1:8 verloren. Wie gehst du mit einer solchen Niederlage um?
Wichtig ist unmittelbar nach dem Spiel im Frust nicht irgendwelche unkontrollierte Handlungen oder Aussagen zu machen. Nicht so einfach wenn man es hasst zu verlieren Meist spüre ich aber schon bald eine unheimliche Energie die Spielanalyse anzugehen (passiert meist noch in der Nacht da ich vorher nicht schlafen kann ), die Schlüsse draus zu ziehen und sofort wieder nach vorne gerichtet zu agieren. Bin dann im nächsten Training jeweils bis in die Haarspitzen motiviert. Oft ist es besser mal richtig hoch zu verlieren, weil dann irgendwelche Umstände nicht als Entschuldigung herangezogen werden können und jeder weiss was es geschlagen hat.
Und wenn du 8:1 gewonnen hast?
Wichtig ist unmittelbar nach dem Spiel in der Freude und Euphorie nicht irgendwelche unkontrollierte Handlungen oder Aussagen zu machen. Nicht so einfach wenn die Stimmung total überschwenglich ist Sodann ist es wichtig sofort neue Ziele für die nächsten Trainings und die Trainingswoche zu bestimmen und sofort wieder nach vorne gerichtet zu agieren. Bin dann im nächsten Training immer sehr aufmerksam um auf eventuelles Nachlassen reagieren zu können.
Welches war dein bester Coaching-Trick?
In der Verlängerung bei gleichzeitiger Strafe bei Ballbesitz Torhüter rausgenommen, 5 gegen 4 gespielt und Siegestor erzielt.
Wie löst du ein Problem in deinem Team?
Finde es wichtig, dass man Instrumente zur Verfügung hat, um Probleme rasch zu erkennen. Das sind zum Einen meine Sinne, die da meist auf Empfang eingestellt sind. Weiter haben wir einen Spielerrat, in dem Probleme angesprochen werden können. Alle drei Monate bewerten die Spieler sich aber auch uns Trainer auf Qualitätsmerkmale, die wir alle zusammen vor der Saison festgelegt haben. Diese Bogen bespreche ich mit jedem Spieler nachträglich. Ist das Problem erkannt wird dann meist mit Gesprächen und daraus folgenden Massnahmen versucht die Situation zu verbessern.
Wie oft führst du Einzelgespräche? Teamtheorien?
Teamtheorie mit Videosequenzen mache ich unter der Saison meist einmal die Woche. Einzelgespräche unregelmässig, manchmal keines, manchmal bis 6, 7 pro Woche.
Welchen Spieler hättest du gerne in deinem Team?
Ich liebe halt den Spielertyp der wohl am seltensten zu finden ist: der technisch/spielerische Spieler der auch athletisch und kämpferisch stark ist und sein ganzes Wirken immer in den Dienst des Teams spielt. Zudem ist eine Winner- und Kriegermentalität super und erleichtert auch mir vieles. Dazu sollte er als Mensch intelligent, ehrlich und offen sein, das erleichtert ungemein den Umgang.
Welche Tips kannst du einem jungen Trainer mit auf den Weg geben?
Versuch Dich selber zu sein, versuche Dich immer wieder zu hinterfragen damit Du selber auch Fortschritte machst (Achtung: ja keine Selbstzerstümmelung ). Lebe selbst was Du dem Team vorgibst in Deinen Trainerbereichen!
Was braucht es, dass die Schweiz international an der Spitze bleibt?
Noch mehr Leute, die einen grossen Teil ihres Lebens unserer Sportart schenken und dabei in Bereichen wirken wo sie ihre grössten Qualitäten haben.
Welche Spielregel würdest du gern ändern/anpassen?
Time-Out darf auch im Sudden death bezogen werden sowie Stockschläge wieder ein wenig strenger ahnden, damit Technik nicht noch mehr in unserem Sport verloren geht.
Welches Spiel würdest du gerne einmal gewinnen?
Da gibt es zum Glück noch einige Träume und Herausforderungen: Letztes Play-Off Spiel mit Köniz, Meisterschaftsfinal in Schweden oder WM-Final.
Welcher Trainer soll als nächstes Interviewt werden?
Marco Moser vom UHC Dietlikon. Hab zwar nicht viel mit Frauen-Unihockey zu tun, aber mir imponiert die ruhige Art wie er seinen Weg geht.
