Er reist erstmals nicht als Zuschauer an die WM
Herren-Nationalmannschaft vor der WM
02. December 2008, 17:34 / mjRené Berliat hat jeden WM-Final live vor Ort erlebt – als Zuschauer. Nun steht er erstmals an der Bande. Der Assistenztrainer der Schweizer Herren-Nationalmannschaft spricht über seine Gefühle, seine Energie und seine Arbeit.
René Berliat, die Schweizer Unihockey-Nationalmannschaft hat zuletzt an den Länderspielen in Kuopio gegen die Finnen schwach gespielt, dann aber gegen Weltmeister Schweden mit einem Unentschieden und gegen Tschechien mit einem klaren Sieg geglänzt. Was kann man also von dieser Nationalmannschaft an den am Samstag in Tschechien beginnenden Weltmeisterschaften erwarten?
Ich hoffe, dass wir in unserem Auftritt gefestigter sind als bisher und dass wir unser Ding durchziehen können. Ich bin überzeugt, dass wir einen grossen Erfolg haben können. Wenn wir unsere Topleistung abzurufen vermögen, sind wir fähig, starke Nationen wie Schweden oder Finnland in Verlegenheit zu bringen oder gar zu schlagen. Doch sobald nicht alles stimmt, kann es auch einen Abschiffer geben - wie im letzten Aufeinandertreffen gegen Finnland.
Die Weltmeisterschaften finden erstmals im Dezember statt, bislang gingen sie im Mai nach Meisterschafts-Ende über die Bühne. Wie sieht es mit dem Formstand der Spieler aus?
Die Spieler sind in meinen Augen besser in Form als im Mai. Bislang war für diejenigen Teams, die den Sprung nicht in die Playoff-Halbfinals schafften, die Meisterschaft früh zu Ende. Die Nati-Spieler aus denjenigen Teams mussten sich wochenlang fit halten. Jetzt kommen alle aus dem Meisterschaftsbetrieb heraus. Und für die Planung der kommenden Saison wird’s auf Klubebene auch einfacher. Man weiss, dass spätestens am 19. April die Meisterschaft zu Ende ist und kann allen Spielern gleichzeitig Ferien geben und mit allen gleichzeitig das Sommertraining beginnen. Es vereinfacht den Saisonaufbau.
Sie stehen als Assistenztrainer der Herren-Nationalmannschaft vor Ihrer ersten Weltmeisterschaften an der Bande. Peter Düggeli will sich nicht als alleiniger Cheftrainer verstanden wissen, sondern streicht immer die enge Zusammenarbeit mit Ihnen hervor. Wie muss ich mir die Organisation im Trainerstab der Schweizer Nationalmannschaft vorstellen, welche Aufgaben haben Sie inne?
Wir tauschen uns regelmässig aus, sprechen alles ab. Peter Düggeli kann sicher einen zeitlich grösseren Aufwand für die Nationalmannschaft betreiben als ich. Ich habe sicher gewisse Bereiche, für die ich zuständig bin, bei gewissen Punkten coache ich. Doch das möchte ich nicht verraten, denn der Gegner liest ja wohl mit (schmunzelt).
Sie sind auch Trainer des Swiss Mobiliar League Teams Floorball Köniz. Inwiefern können Sie Peter Düggeli vor und nach den Nati-Zusammenzügen jeweils unterstützen?
Sicher von der Kompetenz als Trainer her. Unsere Erfahrung und unsere Ausbildung bewegt sich auf dem gleichen Niveau, deshalb ist auch eine gegenseitige, hohe Akzeptanz vorhanden. Wir wir auf dieser gleichen Höhe sind, können wir uns auch alles sagen. Vor den Nati-Zusammenzügen treffen wir uns sicher ein bis zweimal, nach jeder Meisterschaftsrunde telefonieren wir jeweils kurz zusammen. Ich hab im Hinblick auf diese Weltmeisterschaften sicher Zeit ins Studieren von Videoaufnahmn investiert.
Woher nehmen Sie diese grosse Portion an Energie?
(schmunzelt). Es geht sicher an die Substanz. Seit dem 22. August, als ich mit Floorball Köniz im Rahmen des Europacup-Qualifiaktionsturniers den ersten Ernstkampf der Saison 2008/09 bestritt, hatte ich an jedem Wochenende ein bis zwei Spiele zu bestreiten oder zu beobachten. Sich da jeweils immer wieder von neuem auf die nächsten Partien zu fokussieren und konzentrieren ist nicht immer einfach. Jetzt ist die Motivation da, mit der Nationalmannschaft an den Weltmeisterschaften zu glänzen. Im Hinterkopf weiss ich, dass nach der Rückkehr aus Tschechien nur noch eine Meisterschaftsrunde ansteht, dann ist Weihnachtspause. Dieses freie Fenster zu sehen, das hilft.
Sie waren an den Weltmeisterschaften häufig Zuschauer, jetzt stehen Sie erstmals an der Bande. Wie sieht Ihre Gefühlslage aus momentan?
(lacht) Als Zuschauer habe ich wirklich jeden WM-Final live gesehen, bis auf 1996 war ich gar von Beginn weg an jeder WM vor Ort. Dadurch kenne ich die WM-Geschichte der Schweizer Nationalmannschaft, aber natürlich nur von aussen. Der Vorteil meines Traineramtes bei Köniz ist sicher, dass ich gar nie dazu kam, mir den Kopf über meine erste WM zu zerbrechen. Es wird einfach ein Sprung ins kalte Wasser.
Sind Sie nervös?
Ein bisschen ja, aber das ist auch gut so, denn ansonsten würde ich meine Leistung nicht bringen. Ich hab ein gutes Bauchgefühl: Da ich schon viele Situationen meistern musste, gibt mir dies die nötige Sicherheit und ich weiss, dass ich es auch diese Herausforderung schaffe.



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